The invisible hand

Führten sie früher ein verlassenes Dasein in Kartons und Schachteln, so geht es den vielen, vielen heutigen digitalen Fotos nur unwesentlich anders. Unbeachtet liegen sie auf Festplatten, CDs und DVDs. Wie lange noch?

Dicht gedrängt

Nicht der schlechteste Rat beim Kauf einer kompakten Digitalkamera ("point and shoot") ist der Vergleich der Sensorgrößen. Dazu finden wir in den technischen Angaben die Länge der Diagonalen, angegeben in Zoll. Das sieht in der englischen Schreibweise so aus: 1/1,8" oder 1/2,5" usw. Ein Zoll hat hier aber nicht etwa 25mm, sondern, tradiert aus einer Zeit, in der Heizung und Gitter einer Elektronenröhre Platz wegnahmen, nur etwa 16mm.

Mit einem bißchen Kopfrechnen (Pythagoras) kommen wir bei 1/1,8" auf eine Sensorfläche von ungefähr 38mm^2. (7,2x5,4).

Auf dieser kleinen Fläche (zum Vergleich: Kleinbild [Vollformat] hat 864 mm^2) müssen sich (Canon G9 z.B.) 10 Millionen Pixel zusammendrängen; ein Pixel kann daher nur 1,9 µm groß sein. Wieder Kleinbild zum Vergleich: Ein Pixel ist 8,2 µm groß. Je kleiner ein Pixel ist, desto weniger Licht kann er einfangen, es kommt zum Rauschen (schlechtes Signal-Rausch-Verhältnis), und das Ergebnis zeigt einen viel geringeren dynamischen Umfang.

Die Pixelgröße (oder der Pixelpitch) erlaubt eine bessere Aussage über die Qualität einer Kamera als die schiere Megapixelzahl.

Hinweis: Weitere Informationen auf
Digitalkamera

Der Nodalpunkt

(der "Knotenpunkt") ist die Stelle im Linsensystem oder in der Kamera, in dem das aufgenommene Bild durch die Optik umgedreht wird. Präziser gesagt: Als Nodalpunkte bezeichnet man die Punkte auf der optischen Achse, auf die die Lichtstrahlen, die im selben Winkel zur optischen Achse in das System eintreten wie sie es auch wieder verlassen, scheinbar zulaufen (vorderer Nodalpunkt) bzw. von dem sie scheinbar ausgehen (hinterer Nodalpunkt) (Quelle: Wikipedia).

Hinweis: Wie man den Nodalpunkt seiner Kamera selbst ermittelt, wird gut erklärt auf
Panoramaworkshop

Der Nodalpunkt ist wichtig für Fotografen, die Panoramaaufnahmen aus Einzelaufnahmen zusammensetzen, denn die Kamera muß für die einzelnen Aufnahmen um den Nodalpunkt gedreht werden, um Parallaxenfehler zu vermeiden. Unter Parallaxe ist hier die Verschiebung von Vorder- und Hintergrundinformationen zu verstehen.

Einen Augenblick, bitte!

Wenn wir eine Gruppe fotografieren, dann sind wir mit dem Ergebnis oft nicht zufrieden, weil immer einer in der Gruppe seine Augen geschlossen hat. Zur Sicherheit machen wir mehrere Aufnahmen, in der Hoffnung, eine gelungene möge sich unter ihnen befinden.

Mathematik

Wir nehmen an, daß jeder Mensch zehn Mal in der Minute mit den Augen zwinkert. Ein Zwinkern dauert 1/4 Sekunde. Weiter wollen wir annehmen, daß wir den Verschluß der Kamera auf 1/125 Sekunde gestellt haben. Die Aufgabe: Wie oft müssen wir die Kamera auslösen, um von einer Gruppe von zehn, 20 oder 30 Menschen ein "zwinkerfreies" Foto zu bekommen?

Schau mir in die Augen

Aber nicht in die roten!

Wer schon kein Blitzgerät mit sich herumtragen will (oder kann, weil die kleine Kamera keinen Blitzschuh hat), um den Winkel Objektiv-Auge-Blitz zu vergrößern oder, besser noch, indirekt zu blitzen, der muß den Augen in der Nachbearbeitung wieder ihre (richtige?) Farbe geben.

Hinweis: Eine gute Anleitung dazu findet man auf
Rote Augen entfernen

Faute de mieux

Die oft gehörte Feststellung "Nicht die Kamera, sondern der Fotograf macht das Bild" ist längst zu einer unerträglichen Platitüde geworden.

Einem Henri Cartier-Bresson würden noch mit der einfachsten Boxkamera hervorragende Fotos gelingen, wird oft gesagt, und das soll auch nicht bestritten werden.

Aber ohne gute Technik ist eben auch alles nichts, und daher sind HCB mit seiner Leica noch bessere Fotos gelungen. Platitüde contra Binsenweisheit.